Hier gibt’s den Audiobeitrag: Putins Zeit ist gekommen (mp3 link)
An diesem Sonntag ist es soweit. Dann ist Dimitri Medwedews Amtszeit als Platzhalter vorbei und der eigentliche Machthaber kann sein Amt wieder übernehmen: Wladimir Putin. So sieht es der amtierende Premier Russlands zumindest vor. Die Präsidentschaftswahlen an diesem 4. März werden wohl tatsächlich keine große Überraschung darstellen. Medwedew gibt sein Amt kampflos ab und schlägt als neuen Präsidenten – wen wundert’s – Wladimir Putin vor. Nach 12 Jahren Herrschaft unter Putin warten nun nach der neuen Regelung offiziell weitere 12 Jahre Amtszeit auf Russland. Putins Zeit ist gekommen! Das ist nicht nur auf den kommenden dritten Amtsantritt Putins bezogen. Die Bürger Russlands sind aufgewacht und beginnen, sich gegen das Regime zu wehren. Putins Konzept beginnt zu bröckeln und seine Zeit als Staatschef wird zu einer Amtszeit auf Bewährung.
Das Land teilt sich auf
Zehntausende Oppositionelle sind am vergangenen Sonntag erneut gegen Putin auf die Straße gegangen. „Wowa, du bist entlassen“ heißt es auf den Plakaten der Demonstranten, oder auch „Russland, das sind wir“. Sie rufen: „Putin hau ab!“ Gemeinsam wollen sie den Einzug des Regierungschefs in den Kreml (den Amtssitz des Präsidenten) verhindern und für mehr Demokratie kämpfen. Im Falle einer Wiederwahl werden in Russland wohl unangenehme Zeiten einbrechen für Regierungschef Wladimir Putin. Das Land spaltet sich derzeit in zwei Lager. In diejenigen, die aus Angst vor den Alternativen weiter an Putin festhalten und jene, die für ein Ende des Machthabers kämpfen. Moralischer Anführer der Bürgerbewegung ist Anwalt und Blogger Alexei Navalny. Der Anti-Korruptionskämpfer ist der Meinung: „Putin bleibt solange, wie wir ihm erlauben zu bleiben.“ Er zeigt sich kämpferisch und gibt dem Präsidentschaftskandidaten noch ein bis zwei Jahre. Der arabische Frühling scheint auf Russland überzugreifen.
Ein Russland ohne Putin?
Auch von politischer Seite wird der Gegenwind für Putin stärker. Ehemaliger Präsident des Landes, Michail Gorbatschow, warnt den ewigen Kreml-Chef: „Wenn Putin sich nicht überwindet und die Dinge verändert, wird alles auf den Plätzen der Stadt enden.“ Auf der Gegenseite stehen die Skeptiker, die sich fragen, was ein Russland ohne Putin bedeuten würde. Dabei erinnern sie sich an die Zeit nach den Rücktritten Gorbachows und Nikolai, dem II, als Machtkämpfe um den Thron während der „Zeit der Wirren“ das Land schwächten. Putin selbst zeigt sich nach außen bisher unbeeindruckt von den Aufständen in seinem Land. Der plötzliche Umschwung im Land wird den neuen Präsidenten trotz allem noch lange beschäftigen.
Quellen: SPIEGEL Nr. 09/2012, tagesschau.de, eurotopics (07/02/2012)









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